GRINDAVIK (2025)
Topografie der Abwesenheit
Im November 2023 wurde die isländische Küstenstadt Grindavík innerhalb weniger Stunden evakuiert. Ein unterirdischer Magmakanal hatte sich bis unter die Stadt geschoben, Erdbeben zerrissen Straßen und Grundstücke, Infrastruktur brach ab, fast viertausend Menschen verließen ihre Häuser im Glauben an eine baldige Rückkehr. Sie kam nicht. Die anhaltende vulkanische Aktivität verwandelte Grindavík in eine verlassene Stadt am Rand eines aktiven Erdinneren.
Die Fotografien entstanden im Juni 2025, in einer Phase des Wartens, in der Bewegung und Stillstand zugleich präsent waren. Sie zeigen keine Katastrophe, sondern ihre Abwesenheit. Leere Häuser, Zäune, Schilder und Gärten werden zu stillen Zeugen eines unterbrochenen Alltags. Das Vertraute erscheint fragil, Heimat als etwas Vorläufiges.
Die nüchterne, distanzierte Bildsprache und das diffuse Licht verleihen den Dingen eine zurückhaltende Würde. Das Haus, sonst Sinnbild von Schutz und Besitz, wird zum Artefakt in einem tektonischen Prozess. Die Arbeit fragt, was bleibt, wenn Gewissheiten entzogen werden, und richtet den Blick auf einen Zwischenzustand, in dem menschliche Ordnung und geologische Zeit aufeinandertreffen.














